Starker Auftritt: die Jubiläumskampagne


©Markus Tedeskino

Michael Mendl

Die Münchner Jeanette Hain, Nina Ruge, Michael Mendl und Simon Verhoeven sind es gewohnt, vor der Kamera zu stehen. Sie sind die Gesichter der Jubiläumskampagne von Ludwig Beck. Ihr Honorar spendeten sie für einen guten Zweck. Vier Dialoge über Haltung, Heimat – und guten Stil.

Interviews: Verena Berger

Ludwig Beck Herr Mendl, stimmt es, dass in Berlin Mitte mittlerweile mehr Münchner leben als Berliner?
Michael Mendl Meines Wissens schon. Dass es sie in diesen interessanten Stadtteil zieht, ist doch verständlich.
Ludwig Beck Sie leben seit zwei Jahren in Berlin. An welche Zeit in München denken Sie besonders gern zurück?
Michael Mendl Meine aufregendsten Jahre waren sicher die, in denen ich am Residenztheater oder an den Kammerspielen engagiert war. 1981 kam ich für eine Tschechow-Inszenierung von Thomas Langhoff das erste mal nach München.
Ludwig Beck Und wurden von Publikum und Kritik gefeiert.
Michael Mendl Das war ein absolutes Highlight in meiner Karriere. Eine Ehre, dass Langhoff mich als Gastschauspieler in diese Inszenierung aufnahm. Er galt damals als einer der wichtigsten Regisseure des deutschsprachigen Theaters. 1987 ging ich dann ans Residenztheater. Auch das war eine kompakte, intensive Zeit, die mein Leben lange bestimmte.
Ludwig Beck Ihre Liebesgeschichte mit dem Theater endete sieben Jahre später aber nicht glücklich.
Michael Mendl Es gab damals einen Intendantenwechsel und der Neue meinte in Absprache mit seinem Oberspielleiter, dass er mich nicht unbedingt weiter benötigte. Da war das Thema für mich erledigt.
Ludwig Beck Sie nahmen dann die ersten Filmrollen an, nachdem Sie 25 Jahre auf der Bühne gestanden hatten. Waren Sie mit dem Theater insgesamt in eine Sackgasse geraten?
Michael Mendl Ich brauchte Abstand. Ich stand ein Vierteljahrhundert im Geschirr und habe den Karren gezogen. Das waren an die 220 Rollen, die ich bis dahin gespielt hatte. Da denkt man dann: Jetzt muss ich mich erst mal zurücklehnen.
Ludwig Beck Das gelang Ihnen nicht allzu lange. Bald hatten Sie mit Sönke Wortmanns "Kleine Haie" Ihren Durchbruch.
Michael Mendl Ich hatte Glück, dass diese Karrieren so nahtlos ineinander übergingen. Mittlerweile habe ich in über 120 Filmproduktionen mitgewirkt, die mir ermöglicht haben, eine ungeheure Bandbreite an Rollen zu zeigen. Nichts wäre für mich langweiliger, als immer wieder den gleichen Typ Mensch zu spielen. Ich meine, ein Typ ist man ja sowieso. Aber wer im schauspielerischen Akt die Vielfältigkeit von Menschen darstellen will, kann das nur, wenn er selbst vielfältig ist.

"Im Stil eines Menschen zeigt sich sein Charakter"

Ludwig Beck Dann kann man, wie Sie, vom Sexualtriebtäter bis zum Papst alles spielen?
Michael Mendl Dass ich das kann, oder besser gesagt zeigen darf, ist ein Geschenk. Manchmal muss ich auch dafür kämpfen und die Regisseure überzeugen, dass ich vielseitig bin. Ich tue das nicht aus einer Eitelkeit heraus. Nicht, um sagen zu können: Schaut her, wie vielfältig ich bin! Sondern mehr aus einem Wunsch, dem Zuschauer die unterschiedlichsten Geschichten zu erzählen.
Ludwig Beck Lassen sich denn jüngere Kollegen heute zu schnell auf bestimmte Typen festlegen?
Michael Mendl Das passiert im Film wahrscheinlich zwangsläufig. Das Geschäft ist unglaublich schnelllebig geworden. Man fokussiert sich auf Themen und Typen, die gerade angesagt sind und an der Kasse funktionieren. Wenn einer passt, ist er eben laufend dran. Da werden dann Entwicklungen überrannt und am Ende bleiben diese Schauspieler in ihrer Arbeit ganz stehen. Bei den Kollegen meiner Generation galt es, jeden Tag aufs Neue etwas aus dem Leben einzuatmen, um sich damit einen Fundus zu schaffen, aus dem heraus man Geschichten erzählen kann.
Ludwig Beck Sind Sie eigentlich ein Mann der alten Schule?
Michael Mendl Ich hoffe doch.
Ludwig Beck Haben Männer der alten Schule grundsätzlich mehr Stil?
Michael Mendl Das meine ich nicht. Guter Stil ist in jeder Generation zu finden. Er ist kein Zustand, sondern eine konsequente Art und Weise zu leben und sich auszudrücken. Im Stil eines Menschen zeigt sich sein Charakter. Wer ihn haben will, sollte Haltung bewahren und seine Werte klar definieren. Zu gutem Stil gehört unbedingt die Hygiene der eigenen Seele. Es geht darum, nicht still zu stehen und immer wieder etwas neues in sich und sein Erinnerungskästchen zu packen. Wir müssen wach und neugierig bleiben. Als Schauspieler sage ich: Da habe ich was kapiert, da habe ich was gesehen. Das brauche ich, das verwerte ich, das ordne ich ein. Aber ich weiß: Stil ist ein Charakterzug, den man nicht spielen kann.

MICHAEL MENDL
Der Schauspieler war lange Zeit am Theater, bevor er zum Film ging. Seitdem steht er für so renommierte Regisseure wie Dominik Graf, Dieter Wedel und Joseph Vilsmaier vor der Kamera. Michael Mendl spendete sein Honorar der Organisation Gegen NOMA e.V.

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